Gute Freundschaften zeichnen sich unter anderem durch ihre treue Pflege aus. Und so durfte unsere Gemeinde am letzten Januarwochenende des Jahres 2026 bei eisigen Temperaturen und in malerischer Umgebung ihre freundschaftlichen Beziehungen zum Freundeskreis PHILOXENIA, der vor 60 Jahren zur Förderung der Begegnung von Christen der westlichen und östlichen Tradition gegründet wurde, auffrischen. Dabei sind wir der herzlichen Einladung des langjährigen Leiters des Freundeskreises sowie treuen Freundes unserer Gemeinde gefolgt, dem 90-jährigen Monsignore Wilm Sanders, der uns im vorigen Jahr bei der Verabschiedung aus seinem Amt um unsere erneute, nunmehr dritte Teilnahme gebeten hatte. Mit dem Segen unseres Metropoliten von West- und Mitteleuropa, seiner Eminenz Antonij, hatten wir daher die Ehre und das Vergnügen, am beliebten Tagungsort, dem benediktinischen Kloster Nütschau bei Hamburg, den Tagungsgästen unsere Gemeinde vorzustellen, sowie einen Einblick in Geschichte und Gegenwart der bulgarischen orthodoxen Kirche insgesamt zu geben.

Unser Vater Iakov Sturm legte am Samstag den Grundstein im ersten Teil unseres Beitrags unter dem Titel „Bulgarische orthodoxe Christen in Hamburg und Europa im Erbe der Heiligen Kyrill und Methodius“, in dem er über das Leben, Wirken und eucharistische Anliegen der Patronen unserer Gemeinde aufklärte, der heiligen Brüder und Apostelgleichen Kyrill und Methodius. Dabei war ihm wichtig zu betonen, dass wir das Erbe der Brüder, besonders die segensreiche Übersetzung der Heiligen Schriften und weiterer kirchlicher Schriften in die neu entstehende slawische Schriftsprache (Glagolitsa), als Weg ansehen, nicht in erster Linie sprachliche Gemeinschaften zu gründen, sondern eucharistische Gemeinden, die ihren Ursprung in der evangelischen Botschaft Jesu Christi haben und durch den apostolischen Auftrag in die ganze Welt getragen werden sollten. Die Sprache an sich wurde daher nicht als heilig betrachtet, wohl aber das, was mit ihrer Hilfe bewirkt werden konnte. Anschließend bot Dr. Christo Karabadjakow, Vorstandsvorsitzender unserer Gemeinde, den Gästen einen schlaglichtartigen Überblick über die Geschichte der bulgarischen orthodoxen Kirche dar, vom ersten bulgarischen Zarenreich über die Wiederbelebung des Patriarchats im 19. Jahrhundert bis zur bewegten Kirchengeschichte im 20. Jahrhundert. Dabei verdeutlichte er auch die seit Jahrhunderten andauernde Multiethnizität des Balkans, in deren Kontext die Kirche ihr Leben und Überleben gestaltet hatte. Vor dem Hintergrund dieses historischen Panoramas erläuterte Diözesanrat und Freund der Gemeinde, Christo Berow aus Berlin, die Genese und aktuelle Verfassung der kirchlichen- und Verwaltungsstrukturen der Diözese von West- und Mitteleuropa. Es gelang ihm besonders gut, den Gästen den Zusammenhang zwischen einem Spezifikum der bulgarischen kirchlichen Selbstverwaltung, der Beteiligung von Laien, und der bewegten Geschichte des Patriarchats insgesamt unter diversen staatlichen Herrschaftsbeziehungen herauszustellen. Abschließend gab Dr. Christo Karabadjakow noch einen bilderreichen Einblick in unsere Gemeinde in Hamburg.

Den zweiten Teil unseres Beitrags unter dem Titel „Glaube, Liebe, Sprache – Wege der Öffnung zum Anderen in der Gemeinde und Ökumene“ bestritten Dr. Smilen Markow aus Oxford/Veliko Tanrovo und Katharina Strauch. Dr. Smilen Markow beleuchtete das Thema aus wissenschaftlich-theoretischer Sicht, Katharina Strauch als Mitglied unserer Gemeinde berichtete vor allem aus persönlichen Erfahrungen mit dem Gemeindeleben in Hamburg. Beide knüpften an die Grundaussage von Vater Iakov Sturm über das Erbe der Heiligen Kyrill und Methodius an, dass die Sprache an sich ohne „die Sprache der Liebe“ keine Garantie für gelungene Verständigung sei, weder innerhalb der meist mehrsprachigen Gemeinden in Mittel- und Westeuropa, noch in der Begegnung mit Christinnen und Christen anderer Konfession und Tradition. Daher müsse jede Gemeinde und Kirche individuell und vor Ort entscheiden, wie sprachliche und andere Traditionen zur Einheit im Glauben beitragen können und ständig um den Beistand des Heiligen Geistes bitten. Dass dies keine einfache Aufgabe ist, zeigte sich in der anschließenden angeregten Diskussion zu dem Thema im Plenum.

Die rund 30 Tagungsgäste waren zum Ausklang und gleichfalls Höhepunkt der Tagung am Sonntag zum Besuch der Heiligen Liturgie und anschließendem Agape-Mahl in unserer Gemeinde in Eilbek eingeladen und sind dieser Einladung auch zahlreich gefolgt. Eingerahmt war die Tagung außerdem durch einen evangelischen Gottesdienst der Oberkirchenrätin Dr. Uta Andrée aus Kiel, die das Dezernat für Mission, Ökumene und Diakonie in der Evangelisch – Lutherischen Kirche in Nord-Deutschland leitet, und durch eine abendliche Eucharistiefeier mit den Brüdern des Klosters Nütschau, die für alle Klosterbesucher offen war. Die Brüder des Klosters haben außerdem durch den engagierten Betrieb ihres Tagungs- und Bildungsortes zu einer besinnlichen Atmosphäre und köstlicher Versorgung aller beigetragen.

Besonders wertvoll war für uns auch die Begegnung mit einer aramäischen Familie altorientalischer Tradition, die uns in persönlichen Gesprächen auf ihr Schicksal als bedrohte Sprach- und Kulturgemeinschaft aufmerksam gemacht hat. Von ihnen werden wir im nächsten Jahr mehr erfahren, wenn sie – so Gott will - im Mittelpunkt der nächsten PHILOXENIA-Begegnung stehen werden. Besonders bedanken wir uns zu guter Letzt für die reibungslose Organisation der Tagung, bei der neuen Leiterin Frau theol. Maria Wedewer-Steffen, sowie bei Pastor Frank Lotichius, der ihr tatkräftig zur Seite stand. Möge Gott ihnen Gesundheit und Segen schenken auf viele Jahre!
Autorin: Katharina Strauch, 3.2.2026


