Die orthodoxe Kirche Bulgarische Orthodoxe Gemeinde „Hl. Kyrill und Methodius“ in Hamburg beging ihr Patroziniumsfest sowie den Tag der heiligen Brüder Kyrill und Methodius mit einem vielfältigen Festprogramm, an dem Gäste der Universität Veliko Tarnovo sowie Vertreter der bulgarischen, serbischen und russischen orthodoxen Gemeinschaft teilnahmen. Die heiligen Brüder Kyrill und Methodius bleiben in der Geschichte als Schöpfer des slawischen Alphabets und Verteidiger des muttersprachlichen Wortes unvergessen. Ihr epochales Werk überschreitet die Grenzen der Zeit und inspiriert bis heute Generationen durch seine tiefe geistliche und bildende Kraft. Dieses heilige Erbe lebt nicht nur in den Büchern fort, sondern auch im Herzen eines Gotteshauses, das ihren Namen trägt – der orthodoxen Kirche „Hl. Kyrill und Methodius“ in Hamburg, Norddeutschland. Unsere Kirche hier ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern eine wahre Brücke zwischen der jahrhundertealten christlichen Tradition und unserer Schriftkultur. Die festlichen Veranstaltungen fanden mit dem Segen des west- und mitteleuropäischen Metropoliten Antonij statt.

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Auf Einladung des Kirchenvorstandes waren in diesem Jahr Erzpriester Dozent Todor Entschew und Dozentin Vanja Sapundschiewa, Lehrende an der Universität „Hl. Kyrill und Methodius“ in Veliko Tarnovo sowie ausgewiesene Fachleute auf den Gebieten der christlichen Archäologie, Architektur, Kunst und Ikonographie, Ehrengäste des Patroziniumsfestes.

Die Feierlichkeiten begannen bereits am Nachmittag des 23. Mai mit der Vesper in der orthodoxen Kirche, an der auch die Gäste teilnahmen. Mit Ehrfurcht beteten die Christen im Gotteshaus das „Vaterunser“, das uns vom Erlöser selbst geschenkt wurde und die Wahrheit bezeugt, dass Gott der Vater allen Seins ist. Er hat nicht nur das Universum – die gesamte sichtbare und unsichtbare Welt – erschaffen, sondern liebt und führt sie auch auf dem Weg des Guten und der Vollkommenheit. Der Vortrag der beiden Gäste mit dem Titel „Die heiligen Kyrill und Methodius – Mission, Verehrung und Darstellungen“ entwickelte sich von einer akademischen Betrachtung zu einem lebendigen und bewegenden Gespräch. Dozent Entschew hob besonders die Epoche des 9. Jahrhunderts hervor – eine Zeit scharfer geopolitischer und religiöser Auseinandersetzungen zwischen Rom und Konstantinopel um Einfluss auf die neugetauften slawischen Völker. Es war auch die Zeit der Überwindung der sogenannten „Dreisprachenlehre“, nach der Gott nur in drei Sprachen verherrlicht werden dürfe – Hebräisch, Lateinisch und Griechisch. Revolutionär war die Mission des heiligen Konstantin Kyrill des Philosophen, der diese Wahrheit in einer glänzenden Disputation in Venedig verteidigte, als er sprach: „Fällt denn der Regen Gottes nicht gleichermaßen auf alle? Oder scheint die Sonne nicht ebenso für alle?“ Besonders hervorgehoben wurde der bulgarische Beitrag des Fürsten Boris I., der das Werk der Brüder rettete, indem er ihre Schüler – Kliment, Naum und Angelarij – aufnahm.

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Die Schaffung des Alphabets und insbesondere die Übersetzung der liturgischen Bücher durch die beiden Brüder, betonte Dozent Entschew, seien ein entscheidender Schritt zur Entstehung der slawischen christlichen Kultur und Literatursprache gewesen. Bereits vor der großmährischen Mission im Jahr 863 leisteten die Brüder eine gewaltige philologische und theologische Arbeit, indem sie die wichtigsten Texte für die Feier der christlichen Mysterien und Gottesdienste in eine für die Slawen verständliche Sprache übersetzten. Die Diskussion führte schließlich zu einer gemeinsamen Reflexion darüber, wie wir orthodoxen Christen heute ihr Erbe bewahren.

Der Tag der heiligen Brüder Kyrill und Methodius sowie der slawischen Schrift am 24. Mai begann mit der Orthros und der Göttlichen Liturgie. Am festlichen Gottesdienst unter der Leitung von Priester Sturm nahmen auch Erzpriester Sinischa, Vorsteher der serbisch-orthodoxen Kirche „Hl. Erzengel Michael“, Vater Todor Entschew von der Universität Veliko Tarnovo sowie Diakon Georgi Denev teil.

Dozent Todor Entschew sagte über diesen wahrhaft bulgarischen Feiertag:
„Mein Besuch und meine Teilnahme an der heutigen Liturgie stehen im Zusammenhang mit dem Fest, das wir heute, am 24. Mai, begehen – dem Fest der heiligen Brüder Kyrill und Methodius, die ein epochales Werk für ihre Zeit vollbrachten. Durch die Buchstaben und vor allem durch die Übersetzung der liturgischen Bücher machten sie aus der slawischen Sprache nicht nur eine gesprochene, sondern auch eine Schriftsprache, eine Literatursprache, die Trägerin hoher Kultur werden konnte. Durch dieses Werk – ein Sprungbrett für alle slawischen Völker – half die neue Literatur ihnen, in den Kreis der zivilisierten und kulturellen Nationen einzutreten. Alle Slawen, darunter auch wir Bulgaren, wurden zu einem Kulturvolk. Und nicht nur das: Durch die bewusste Teilnahme am christlichen Gottesdienst verstanden die Menschen die Gebete nicht nur mit dem Verstand, sondern nahmen sie mit dem Herzen auf. So wurde ihr Werk wahrhaft epochal – es gewann Vertrauen, berührte tief die Seelen der Menschen und veränderte das Bewusstsein, das Schicksal, die Geschichte und die Kultur aller slawischen Völker. Das ist ihr großes Verdienst.“

Ebenso wertvoll und herzlich waren die Worte von Dozentin Vanja Sapundschiewa:
„Ich freue mich außerordentlich, dass ich am Fest der bulgarischen Bildung und Kultur die Möglichkeit habe, diesen lichten Tag gemeinsam mit der bulgarischen Gemeinschaft in Hamburg zu erleben. Meiner Meinung nach ist dies eine lebendige und sich entwickelnde Gemeinschaft, die mit Freude als Fortsetzerin des Werkes von Kyrill und Methodius bezeichnet werden kann – denn sie verherrlicht außerhalb der Grenzen der Heimat die bulgarische Kultur, den bulgarischen Geist und alles, was mit dem Christentum und Bulgarien verbunden ist. Einen gesegneten Feiertag allen Bulgaren!“

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Anschließend versammelten sich alle Christen im Jakobi-Park, wo Priester Sturm gemeinsam mit den Gästen der Universität Veliko Tarnovo, Erzpriester Sergej Baburin, Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche „Hl. Johannes von Kronstadt“ in Hamburg, sowie Diakon Georgi Denev einen Wassersegen für Gesundheit vollzog. Die Glocke der Kirche erklang feierlich und verwandelte den gewöhnlichen Augenblick in ein besonderes Ereignis. Die Dichterin Christina Watschewa trug ihr Gedicht „Heilige Sprache“ vor. Es folgte eine Litija-Prozession durch den nahegelegenen Park auf dem Weg der Buchstaben, begleitet vom Troparion zu Ehren der beiden apostelgleichen Brüder. Die Luft erfüllte sich mit den begeisterten Worten der Hymne der bulgarischen Bildung und Kultur „Vorwärts, wiedergeborenes Volk“, die 1892 von dem Lehrer Stojan Michajlowski geschrieben wurde – ein Aufruf an das bulgarische Volk, durch Bildung und Wissen voranzuschreiten.

Danach kehrten die Christen in die Kirche zurück, verehrten die Ikonen der apostelgleichen Brüder Kyrill und Methodius, und Vater Jakov Sturm salbte ihre Stirnen mit geweihtem Öl – einem Zeichen der Gnade Gottes, des Segens und der geistlichen Stärkung. Draußen auf der Wiese wartete eine reich gedeckte Festtafel, Symbol der Gemeinschaft, um Brot und Speisen miteinander zu teilen und das Fest nicht nur mit Worten und Liedern, sondern auch mit echter menschlicher Gemeinschaft zu besiegeln.

Das Werk der apostelgleichen Brüder Kyrill und Methodius bleibt unvergänglich – eingebettet in den Stein und den Geist dieser orthodoxen Kirche. Sie bleibt weiterhin ein Leuchtturm des Glaubens und der bulgarischen Identität und erinnert jeden, der ihre Schwelle überschreitet, an die Kraft des muttersprachlichen Wortes.

Indem wir das Gedächtnis der Brüder aus Thessaloniki bewahren, bewahren wir nicht nur Geschichte, sondern die Seele unseres Volkes selbst. Mögen wir dieses Vermächtnis in unseren Herzen tragen und es mit Stolz an die kommenden Generationen weitergeben!

Autorin: Christina Watschewa